Informationen im Rahmen der Tarifrunde 2025/26 / Information regarding the 2025/26 collective bargaining round
News vom 12.12.2025
Seit dem Auftakt der Tarifrunde am 3. Dezember 2025 werden zwischen den Gewerkschaften und der Tarifgemeinschaft deutscher Länder (TdL) Tarifverhandlungen geführt. Letztmals konnten 2023 für die Beschäftigten der Länder im öffentlichen Dienst neue Tarifabschlüsse erreicht werden, die Ergebnisse können hier nachgelesen werden: https://www.verdi.de/presse/pressemitteilungen/++co++3fe2fbb8-9689-11ee-af8f-d1f22e36377d.
Damit das in der aktuellen Tarifrunde ebenfalls gelingt, sollen alle Beschäftigten bestmöglich informiert werden, um sich einbringen zu können. Als Personalrat sind wir zwar keine der Verhandlungsparteien, aber wir haben das Recht und die Pflicht, Beschäftigte über tarif- und arbeitsrechtliche Belange zu ihren Interessen zu informieren.
Worum geht es in dieser Tarifrunde?
7 Prozent mehr Gehalt – mindestens aber 300 Euro. Das ist die Hauptforderung der Gewerkschaften in der Tarifrunde. Sie verhandeln für 2,6 Millionen Beschäftigte im öffentlichen Dienst der Länder, von denen etwa die Hälfte im Bildungsbereich – an Schulen, Hochschulen und Landes-Kitas – arbeiten. Hier auszugsweise, die gesamten Forderungen und Erwartungen können den Anlagen am Ende entnommen werden:
- Erhöhung des Entgeltes um 7%, mindestens aber 300€ monatlich
- Erhöhung der Entgelte für Auszubildende und Praktikant*innen um 200€ monatlich
- bundesweiter Tarifvertrag für studentische Beschäftigte (TV Stud)
- unbefristete Übernahme von Auszubildenden nach erfolgreicher Ausbildung
- Angleichung der Arbeitsbedingungen in Ost und West
- Erhöhung der Zeitzuschläge für Arbeiten zu ungünstigen Zeiten um 20 Prozentpunkte
- echte Reallohnsteigerungen, um die gestiegenen Lebenshaltungskosten ausgleichen zu können
Die TdL hat diese Forderungen in der ersten Verhandlungsrunde nicht nur kompromisslos abgelehnt, sondern findet auch, dass Entgelterhöhungen in den höheren Entgeltgruppen höher ausfallen sollten als in den niedrigeren Entgeltgruppen. Trotz gestiegener Staatseinnahmen und hohen Milliardenverlusten durch Steuerflucht oder mangelhafte Verfolgung von Wirtschaftskriminalität (z. B. bei CumEx) beharrt die TdL darauf, dass kein Geld für die Beschäftigten da sei.
Aufgrund dieser Entwicklung ist davon auszugehen, dass von Seiten der Gewerkschaften auch bei uns zu Warnstreiks aufgerufen wird, voraussichtlich zunächst am 18.12. (Verabschiedung des Kürzungshaushalts im Berliner Abgeordnetenhaus) sowie zu den weiteren Verhandlungsrunden Mitte Januar und Mitte Februar.
Wer wird gegebenenfalls zum Streik aufgerufen?
Aufgerufen werden können alle Tarifbeschäftigten im Tarifgebiet des Landes, also alle Angestellten, egal, ob befristet oder unbefristet, in der Ausbildung, oder als studentische Hilfskraft beschäftigt. Bitte schaut bei den Streikaufrufen der Gewerkschaften, wer tatsächlich genau aufgerufen wird.
Beamt*innen können nicht zum Streik aufgerufen werden, da sie nach aktueller Rechtsprechung kein Streikrecht besitzen, jedoch können sie sich in Dienstpausen oder in ihrer Freizeit an Aktionen beteiligen, oder den Einsatz zum Zweck des Streikbruchs ablehnen.
Dürfen nur Gewerkschaftsmitglieder streiken?
Nein. Das Streikrecht ist ein Grundrecht und gilt für alle. Streiken können somit auch Nichtmitglieder. Der Unterschied besteht darin, dass Gewerkschaftsmitglieder Streikgeld erhalten. Dazu müssen sie sich bei der jeweiligen Gewerkschaft streikend melden. Nichtmitglieder erhalten dies nicht.
Der Arbeitgeber darf von den Streikenden für die Anzahl der Streiktage das Entgelt einbehalten und tut dies auch regelmäßig.
Muss ich meine Streikteilnahme ankündigen? Kann mir eine Teilnahme verboten werden?
- Nein, eine Streikteilnahme muss nicht angekündigt werden.
- Alle Kolleg*innen haben das Recht, sich selbst zur Streikteilnahme zu entscheiden.
- Es ist unzulässig, dass Vorgesetzte Druck ausüben oder nötigen. Die Rechtsprechung versteht darunter schon drängende Nachfragen zur Streikbeteiligung.
- Niemand ist verpflichtet, zur Streikbeteiligung vorab Auskunft zu geben, im Zweifelsfall ist eine solche Auskunft auch nicht bindend.
- Niemand ist verpflichtet, einer Anweisung zur Arbeit zu folgen, wenn kein Notdienst mit der Gewerkschaft vereinbart ist. Eine Notdienstvereinbarung für einzelne Streiktage wird voraussichtlich nicht abgeschlossen.
Muss ich mit Sanktionen rechnen, wenn ich streike?
Nein, aus der Teilnahme an einem Streik, zu dem die Gewerkschaft aufgerufen hat, dürfen keine Nachteile (außer dem Lohnabzug) entstehen, nicht im bestehenden Arbeitsverhältnis, nicht bei befristeter Situation und auch nicht bezüglich der beruflichen Entwicklung.
Wir gehen davon aus, dass sich die Arbeitgeber an diese Grundsätze halten. Streik kann aber auch Konfliktsituationen mit sich bringen, denn Streik ist Arbeitskampf. Wendet Euch sich zu Euren Rechten und Pflichten gern an uns.
Was ist eine Streikmeldung?
In der Vergangenheit wurden die Vorgesetzten mitunter aufgefordert, die voraussichtliche Situation, soweit sie eingeschätzt werden kann, am Streiktag vorab an die Leitungen zu melden. Ihr als Beschäftigte seid nicht verpflichtet, Euch Eure Meinung über Eure Streikteilnahme schon vor dem Streik gebildet zu haben.
Nach dem Streik wird dann häufig die konkrete Streikteilnahme personenbezogen abgefragt. Hier muss vollständig und wahrheitsgemäß geantwortet werden.
Wie verhalte ich mich kollegial gegenüber anderen Beschäftigten?
- Leitungen und Mitarbeiter*innen sollten bedenken, dass gegenseitiger Respekt und die Akzeptanz von persönlicher Entscheidung die Situation erleichtern.
- Es wird leichter, wenn man die Wahrnehmung eines grundgesetzlich verbrieften Rechtes als solches respektiert.
- Streikteilnahme ist keine Loyalitätsaufkündigung gegenüber Vorgesetzten, Streikteilnahme ist Eintreten für tarifliche Leistungen und gute Arbeitsbedingungen.
- Gewerkschafter*innen streiken, um ihren Forderungen Nachdruck zu verleihen, um sie im Sinne ihrer Mitglieder weitestgehend durchzusetzen und damit den Tarifkampf möglichst bald mit einem Erfolg zu beenden.
Zu den weiterführenden Infos springen
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Dear colleagues,
Since the start of the collective bargaining round on December 3, 2025, collective bargaining negotiations have been underway between the unions and the Tarifgemeinschaft deutscher Länder (TdL) (Collective Bargaining Association of German States). The last time new collective agreements were reached for state employees in the public sector was in 2023. The results can be found here: https://www.verdi.de/presse/pressemitteilungen/++co++3fe2fbb8-9689-11ee-af8f-d1f22e36377d.
To ensure that this is also achieved in the current round of collective bargaining, all employees should be provided with the best possible information so that they can get involved. As the staff council, we are not one of the negotiating parties, but we have the right and the duty to inform employees about collective bargaining and labor law issues that affect their interests.
What is this round of collective bargaining about?
A 7 percent salary increase – but at least €300. That is the main demand of the unions in the collective bargaining round. They are negotiating on behalf of 2.6 million public sector employees in the federal states, about half of whom work in education – in schools, universities, and state daycare centers. Here is an excerpt; the full list of demands and expectations can be found (in German) in the appendices at the end of the German part of this email above:
- 7% increase in pay, but at least €300 per month
- €200 per month increase in pay for trainees and interns
- Nationwide collective agreement for student employees (TV Stud)
- Permanent employment for trainees after successful completion of training
- Harmonization of working conditions in East and West
- Increase in time bonuses for working at unfavorable times by 20 percentage points
- Real wage increases to compensate for the rise in the cost of living
The TdL not only rejected these demands outright in the first round of negotiations, but also believes that pay increases in the higher pay groups should be higher than in the lower pay groups. Despite increased government revenues and billions in losses due to tax evasion or inadequate prosecution of white-collar crime (e.g., in the CumEx case), the TdL insists that there is no money available for employees.
Due to this development, it can be assumed that the unions will also call for warning strikes in our state, probably starting on December 18 (adoption of the austerity budget in the Berlin House of Representatives) and continuing during the further rounds of negotiations in mid-January and mid-February.
Who will be called to strike, if necessary?
All employees covered by collective agreements in the state's collective bargaining area can be called to strike, i.e., all employees, regardless of whether they are on fixed-term or permanent contracts, in training, or employed as student assistants. Please check the trade unions' strike calls to see exactly who is actually being called to strike.
Civil servants cannot be called to strike because, according to current case law, they do not have the right to strike. However, they can participate in actions during breaks or in their free time, or refuse to work for the purpose of breaking the strike.
Are only union members allowed to strike?
No. The right to strike is a fundamental right and applies to everyone. Non-members can therefore also strike. The difference is that union members receive strike pay. To do so, they must register as strikers with the respective union. Non-members do not receive this.
The employer may withhold pay from strikers for the number of days they strike and does so regularly.
Do I have to announce my participation in a strike? Can I be prohibited from participating?
- No, participation in a strike does not have to be announced.
- All colleagues have the right to decide for themselves whether to participate in a strike.
- It is not permissible for supervisors to exert pressure or coerce employees. Case law considers even urgent inquiries about strike participation to be coercion.
- No one is obliged to provide information in advance about their participation in a strike; in case of doubt, such information is not binding.
- No one is obliged to follow instructions to work if no emergency service has been agreed with the union. An emergency service agreement for individual strike days is not expected to be concluded.
Will I face sanctions if I go on strike?
No, participation in a strike called by the union must not result in any disadvantages (except for wage deductions), neither in the existing employment relationship, nor in a temporary situation, nor in terms of professional development.
We assume that employers will adhere to these principles. However, strikes can also lead to conflict situations, because strikes are industrial action. Please feel free to contact us about your rights and obligations.
What is a strike notification?
In the past, supervisors were sometimes asked to report the expected situation, as far as it could be assessed, to management in advance on the day of the strike. As employees, you are not obliged to have formed an opinion about your participation in the strike before the strike takes place.
After the strike, employees are often asked about their specific participation in the strike. You must answer completely and truthfully.
How do I behave collegially towards other employees?
- Supervisors and employees should bear in mind that mutual respect and acceptance of personal decisions make the situation easier.
- It becomes easier when you respect the exercise of a right guaranteed by the constitution as such.
- Participating in a strike is not a breach of loyalty to superiors; participating in a strike is standing up for collective bargaining agreements and good working conditions.
- Trade unionists strike to emphasize their demands, to enforce them as far as possible in the interests of their members, and thus to end the collective bargaining dispute as soon as possible with a successful outcome.
Weiterführende Links / Further information in German
- Informationen der Vereinten Dienstleistungsgewerkschaft (ver.di):
- zu Forderung, Verhandlungsstand, Arbeitsvorgang und Streikrechten: https://www.verdi.de/zusammen-geht-mehr
- Broschüre: Mit Recht in den Streik
- Informationen der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW):
- zu Forderung, Verhandlungsstand, Arbeitsvorgang und Streikrechten: https://www.gew-berlin.de/tarif/tv-l/
- „An den Hochschulen brennt die Luft“
- Informationen des dbb beamtenbund und tarifunion: https://www.dbb.de/einkommensrunde/einkommensrunde-2026/forderung.html
- Informationen der Tarifgemeinschaft der Länder (TdL)
