Tobias Voigt starb nach einem Autounfall
Unser langjähriger Mitarbeiter und Freund Tobias Voigt ist am 19. Dezember 2025 bei einem Autounfall ums Leben gekommen.
News vom 28.12.2025
An seinem 57. Geburtstag verstarb Tobias Voigt nach einem Unfall auf der Landstraße zwischen Alt Rosenthal und Görlsdorf.

Tobias Voigt im November 2008
Tobias Voigt kam 1968 in Berlin zur Welt. Er war ein Enkel von Ernst Busch. Nach dem Abitur 1987 leistete er seinen Wehrdienst bei der Nationalen Volksarmee. Aus dieser Zeit stammt seine Begeisterung für Militärfahrzeuge, von denen er etliche in das von ihm mitbegründete Geländewagenmuseum in Reichwalde (Lausitz) einbrachte. Einen Überblick über die Geschichte dieses ehrenamtlich betriebenen Museums findet sich auf folgenden Internetseiten: http://www.gelaendewagenmuseum.de/index.html
Besonders stolz war er darauf, das er mit seinem amerikanischen Militärjeep als Komparse in dem Film über die Schlacht in Stalingrad „Duell – Enemy at the Gates“ mitwirken konnte.

Nach seinem Umzug in das Märkische Oderland engagierte sich Tobias Voigt in der Gedenkstätte Seelower Höhen und für deren die Umgestaltung von einer durch das Geschichtsbild der SED-Diktatur geprägten Darstellung zu einem „Museum über Krieg und Frieden“. Auf der Grundlage seiner umfassenden Kenntnisse über die jüngere Militärgeschichte und seiner museumspädagogischen Erfahrungen entstand das von ihm mitverfasste Konzept „Seelower Höhen ´45 – Europas letztes Schlachtfeld – dem Krieg begegnen, den Frieden bewahren“, das eine Neuprofilierung der Gedenkstätte zu einem Ort der demokratischen Wissensvermittlung über die „Schlacht um die Seelower Höhen“ vorsah, bei der vom 6. bis 19. April 1945 ca.12.000 deutsche und 33.000 sowjetische Soldaten zu Tode kamen.
Als Volontär beim Deutschen Fernsehfunk erlebte Tobias Voigt 1990 das Ende des DDR-Rundfunks. Sein damals gewecktes Interesse an der Produktion dokumentarischer Fernsehsendungen konnte er später als Rechercheur und Berater u.a. für den WDR weiterverfolgen. Nach seinem Studium der Politischen Wissenschaft an der FU Berlin war er als Mitarbeiter des Forschungsverbundes SED-Staat an der im Auftrag der ARD durchgeführten Untersuchung über „die rundfunkbezogenen Aktivitäten des Ministeriums für Staatssicherheit der ehemaligen DDR in der DDR sowie in der Bundesrepublik Deutschland“ beteiligt. Die Ergebnisse dieses Forschungsprojekts flossen unter dem Titel „Operation Fernsehen“ in drei ARD-Dokumentationen sowie in die 2008 erschienene gleichnamige Buchpublikation über die Stasi und die Medien in Ost und West ein. Ein Jahr später erschien die von Tobias Voigt mitverfasste Studie „Feindbild Springer. Ein Verlag und seine Gegner“, auf deren Grundlage ebenfalls ein Dokumentarfilm entstand, den Tilman Jens für den WDR gedreht hat.

Tobias Voigt bei der Buchpräsentation von „Feindbild Springer“ im Gespräch mit Tilman Jens und Stefan Wolle.
Seine Erfahrungen als Ausstellungsmacher schlugen sich auch in dem Projekt Dauerausstellung der Gedenkstätte Berlin Hohenschönhausen nieder, dessen Mitarbeiter er war.
Tobias Voigt war über viele Jahre ein wunderbarer Kollege und guter Freund. Dass er ausgerechnet auf dem Weg zur schulischen Weihnachtsfeier seiner beiden geliebten Kinder zu Tode kam, ist unfassbar traurig, denn sie waren sein Ein und Alles.
Ausgewählte Veröffentlichungen von Tobias Voigt
- Medizin hinter Gittern. Das Stasi-Haftkrankenhaus in Berlin-Hohenschönhausen, Berlin 2011 (in Zusammenarbeit mit Peter Erler).
- Feind-Bild Springer. Ein Verlag und seine Gegner, Göttingen 2009 (mit Jochen Staadt und Stefan Wolle).
- Operation Fernsehen. Die Stasi und die Medien in Ost und West, Göttingen 2008 (mit Jochen Staadt und Stefan Wolle).
- Die Zusammenarbeit des Ministeriums für Staatssicherheit (MfS) der DDR mit dem kubanischen Ministerium des Innern (MININT), Berlin 2002 (zusammen mit Gerhard Ehlert und Jochen Staadt).
- „Neuer Kurs“ und 17. Juni. Die zweite Staatsgründung der DDR 1953 (zusammen mit Manfred Wilke), in: András B. Hegedüs, Manfred Wilke (Hg.): Satelliten nach Stalins Tod. Der „Neue Kurs“, 17. Juni 1953 in der DDR, Ungarische Revolution 1956, Berlin 2000.
- Opposition gegen Ulbricht - Konflikte in der SED-Führung in den 50er Jahren, in: Klaus-Dietmar Henke, Peter Steinbach, Johannes Tuchel (Hg.): Widerstand und Opposition in der DDR. Köln, Weimar, Wien 1999.
