Prof. Dr. Kerstin Elisabeth Müller
21.04.2026
Prof. Dr. Kerstin Müller nahm im Jahr 2003 den Ruf auf die Professur für Innere und Chirurgische Wiederkäuerkrankheiten am Fachbereich Veterinärmedizin der Freien Universität Berlin an. Sie leitete die Klinik für Klauentiere als Geschäftsführende Direktorin bis 2023. Dem Fachbereich stand sie über mehrere Jahre als gewählte Prodekanin für die Lehre zur Verfügung. Prof. Dr. Kerstin Müller verstarb am 18. April 2026 im Alter von 66 Jahren.
Lesen Sie im Folgenden einen Nachruf des Fachbereichs Veterinärmedizin der Freien Universität Berlin:
Frau Prof. Dr. Kerstin Elisabeth Müller verstorben
Es ist unsere traurige Pflicht, den Tod von Frau Prof. Dr. Kerstin Elisabeth Müller bekannt zu geben. In der Nacht zum 18.04.2026 ist Frau Prof. Dr. Kerstin Elisabeth Müller nach schwerer Krankheit friedlich eingeschlafen. Mit Frau Prof. Müller verliert der Fachbereich Veterinärmedizin eine Kollegin, welche die Nutztierklinik, ehemals Klauentierklinik, über Jahrzehnte hinweg geprägt hat.
Prof. Dr. Kerstin Elisabeth Müller wurde am 28.09.1959 in Paderborn geboren. Sie studierte Veterinärmedizin an der Tierärztlichen Hochschule Hannover, wo sie 1984 die tierärztliche Approbation erhielt. In den folgenden Jahren war Kerstin Müller bis 1991 wissenschaftliche Mitarbeiterin und zuletzt Akademische Rätin auf Zeit in der Klinik für Rinderkrankheiten der Tierärztlichen Hochschule Hannover. In dieser Zeit erlangte sie mit ihrer Dissertation zum Thema „Beitrag zur ätiotropen und symptomatischen Therapie von Durchfallerkrankungen beim Kalb“ den Doktortitel (1986) und später den Titel einer Fachtierärztin für Rinder (1989).
Wenig später wechselte sie an die Universität Utrecht und war dort von 1991 bis 1998 in der Klinik für Innere Medizin der Wiederkäuer und Pferde sowie von 1998 bis 2003 als Senior Dozentin in der Abteilung für Nutztiermedizin tätig. An der Universität Utrecht vollendete Frau Prof. Müller 1995 ihre PhD-Thesis „Bovine Leukocyte Adhesion Deficiency – Clinical and Immunological Aspects“ und erlangte später den Titel einer Niederländischen Fachtierärztin für Rinder. Ihre Zeit in den Niederlanden und ihre dortigen Erfahrungen waren für Frau Prof. Müller prägend für ihre gesamte weitere Karriere auch nach ihrer Rückkehr nach Deutschland.
Im Jahr 2002 nahm Frau Prof. Müller den Ruf auf die Professur für Innere und Chirurgische Wiederkäuerkrankheiten (C4) am Fachbereich Veterinärmedizin der Freien Universität Berlin an und trat dort am 1.4.2003 ihren Dienst an. Sie leitete die Klinik für Klauentiere als Geschäftsführende Direktorin bis 2023. In dieser setzte sie, als erste Frau an der Spitze der Klauentierklinik der Freien Universität Berlin, ihre eigenen Akzente im Klinikbetrieb und in der Ausbildung der Studierenden.
Dem Fachbereich stand sie über mehrere Jahre als gewählte Prodekanin für die Lehre zur Verfügung. Wissenschaftlich lagen Prof. Müllers Interessengebiete vor allem in den Bereichen Lahmheit und Stoffwechselerkrankungen bei Milchkühen, Atemwegserkrankungen bei Rindern und, vor allem in den letzten Jahren, auf der Beurteilung des Tierwohls in der Rinderhaltung. Sie war Autorin zahlreicher wissenschaftlicher Artikel in nationalen und internationalen Fachzeitschriften und hingebungsvolle Betreuerin von Doktorarbeiten am Fachbereich Veterinärmedizin.
Prof. Müller war Gründungsmitglied und Diplomate des European College of Bovine Health Management (ECBHM). Neben ihrer Tätigkeit als Gutachterin in zahlreichen wissenschaftlichen Journalen war sie im Editorial Board der Zeitschrift Tierärztlichen Praxis tätig und gern gesehene Vortragende auf zahlreichen nationalen und internationalen Kongressen und Fortbildungen. Sie war über Jahre hinweg die Organisatorin des Berlin-Brandenburgischen Rindertages, der vielen KollegInnen sehr positiv in Erinnerung bleiben wird.
Neben ihrem Engagement für die Ausbildung von Tierärztinnen und Tierärzten lag ihr auch die Ausbildung von professionellen KlauenpflegerInnen am Herzen, die sie bis zu ihrem Ruhestand aktiv betrieb. Außerdem war sie über viele Jahre hinweg Mitglied der Ständigen Impfkommission Veterinärmedizin, des DVG-Arbeitskreises Antibiotikaresistenz und der AG Bestandsbetreuung der Bundesärztekammer. Im Jahr 2024 erhielt Prof. Müller die Ehrennadel der Bundestierärztekammer für ihr Engagement für die Tierärzteschaft.
Im September 2024 trat Frau Prof. Müller aus dem aktiven Dienst aus. Als Seniorprofessorin blieb sie dem Fachbereich jedoch erhalten und gab weiterhin, ihrer Erkrankung trotzend Vorlesungen und Kurse, die, wie ihre ganze Karriere hindurch, von den Studierenden sehr hoch geschätzt wurden.
Als Geschäftsführende Direktorin war Prof. Dr. Kerstin Elisabeth Müller stets eine zuhörende, fördernde, mitunter auch fordernde Vorgesetzte, Lehrerin, Betreuerin und Kollegin, die viel zu früh von uns gegangen ist.
Wir verlieren mit Frau Prof. Dr. Kerstin Elisabeth Müller eine bei Studierenden und KollegInnen hoch geschätzte Wissenschaftlerin und Hochschullehrerin. Ihr Engagement für eine klinisch-angewandte Lehre auf dem Gebiet der Krankheiten der Wiederkäuer und ihr steter Einsatz für die Belange der Klinik werden unvergessen bleiben. Wir werden Frau Prof. Müller ein ehrendes Gedenken bewahren.
Berlin, den 18.04.2026
Die Mitarbeitenden der Nutztierklinik und des Fachbereichs Veterinärmedizin der Freien Universität Berlin
