Springe direkt zu Inhalt

„Wir sind alle FU“

Andrea Güttner ist vom erweiterten Akademischen Senat der Freien Universität Berlin zur Kanzlerin gewählt worden

26.03.2026

Der Erweiterte Akademische Senat wählte Andrea Güttner mit 55 von 55 Stimmen. Die Kanzlerin hatte die Geschäfte bereits kommissarisch geführt.

Der Erweiterte Akademische Senat wählte Andrea Güttner mit 55 von 55 Stimmen. Die Kanzlerin hatte die Geschäfte bereits kommissarisch geführt.
Bildquelle: Bernd Wannenmacher

Einstimmig gewählt, mitten in finanziell schwierigen Zeiten. Andrea Güttner wird neue Kanzlerin der Freien Universität. Im campus.leben-Interview spricht sie darüber, wie die FU in herausfordernden Situationen zusammenhält, warum sie dies zur Kandidatur bewogen hat und welche Aufgaben nun anstehen.

Frau Güttner, Sie wurden im Februar 2026 vom erweiterten Akademischen Senat einstimmig zur Kanzlerin der Freien Universität gewählt. Was bedeutet Ihnen dieses starke Votum – persönlich und für Ihre künftige Arbeit?

Andrea Güttner: Es ist eine Anerkennung unserer Beschäftigten an der FU – die Themen in meinem Zuständigkeitsbereich habe ich mit vielen Menschen in Abteilungen, Stabsstellen und Fachbereichen bearbeitet. Das Votum ist eine große Bestätigung meiner Arbeit, der Art, wie ich Themen angehe. Persönlich habe ich mich über den Zuspruch und die Bestätigung sehr gefreut. Es war ein einzigartiger Moment, der mir da geschenkt wurde.

Sie waren schon seit 2022 damit betraut, die Aufgaben der Kanzlerin wahrzunehmen – und somit verantwortlich für Haushalt, Personal, Infrastruktur und Technik. Wenn Sie zurückblicken: Was ist Ihnen besonders gut gelungen? Wo haben Sie wichtige Impulse gesetzt?

Güttner: Ich denke, es ist uns gelungen, die Universität wieder etwas mehr zusammenzuführen. Auch, weil wir um Verständnis für unterschiedliche Perspektiven werben. Wir sind alle FU, egal ob zentral oder dezentral angesiedelt, die Herausforderungen schaffen wir nur gemeinsam.

Die Aufstellung unserer Zentraleinrichtung FUB-IT und die schrittweise Umsetzung des FUB-IT-Prozesses ist gut gelungen, auch wenn es teilweise noch etwas ruckelt. Der Abschluss der DV-Flex und deren Umsetzung, der Bereich Sicherheit, die Aufstellung des Haushaltes vor dem Hintergrund der Kürzungen, die Aufstellung neuer Themen in der Technischen Abteilung – vieles ist gelungen, anderes mussten wir vor dem Hintergrund der vielen auch von außen kommenden Anforderungen etwas hintanstellen. 

Was steht nun an?

Güttner: Das sind vor allem Fragen rund um Infrastruktur und Resilienz. Wie schaffen wir es, uns nachhaltig für Krisensituationen und Gefahrenlagen aufzustellen, und welche Maßnahmen müssen ergriffen werden zur Prävention und für den konkreten Handlungsspielraum in der Krise und in der Nachsorge?

Wir müssen uns so aufstellen, dass wir als Hochschule gesellschaftliche Anforderungen in Gefahrenlagen gemeinsam mit Land und Bezirk meistern. Das haben die vielfältigen Anfragen unserer Mitarbeitenden an die Hochschulleitung während des Stromausfalls im Januar gezeigt: Wir haben die Gebäude, das Wissen und die tatkräftigen Kolleginnen und Kollegen, die sich in der Not einbringen. Aber auch hierfür müssen wir unsere Infrastruktur entsprechend ertüchtigen. Daran wollen wir arbeiten.

Was hat Sie motiviert, für das Amt zu kandidieren? 

Güttner: Ich habe sehr genau überlegt, ob ich die Verantwortung, die diese Position mit sich bringt, für acht weitere Jahre übernehmen will. Die Zusammenarbeit mit den Kolleginnen und Kollegen, die Atmosphäre an der FU, wenn es darum geht, besonders schwierige Situationen zu meistern, der Zusammenhalt – all das hat mich in den vergangenen Jahren überzeugt und mir viel Freude bereitet, darum habe ich mich zur Wahl gestellt.

Von links: Uni-Präsident Prof. Günter M. Ziegler, Kanzlerin Andrea Güttner und Prof. Karl Max Einhäupl, Vorsitzender des Kuratoriums der Freien Universität Berlin

Von links: Uni-Präsident Prof. Günter M. Ziegler, Kanzlerin Andrea Güttner und Prof. Karl Max Einhäupl, Vorsitzender des Kuratoriums der Freien Universität Berlin
Bildquelle: Bernd Wannenmacher

Welche anstehenden Herausforderungen sind besonders drängend?

Güttner: Die Liegenschaften, Bauten und Infrastrukturen vor dem Hintergrund, dass die Investitionsmittel um 25 Prozent gekürzt wurden und wir Baurücklagen auflösen müssen, um laufende Kosten finanzieren zu können. Wir müssen Raum komplett neu denken: verdichten, teilen und übergeordnet auch mit BUA-Partnern gemeinsam denken. Dasselbe gilt für die Forschungsinfrastruktur.

Digitalisierung ist längst mehr als IT-Infrastruktur – sie betrifft Prozesse, Lehre, Forschung, Verwaltung und Kommunikation. Wo sehen Sie hier den größten Handlungsbedarf?

Güttner: Wir machen nicht einfach Digitalisierung, sondern wir müssen in die digitale Transformation unserer Prozesse gehen. Das bedeutet auch, dass wir trotz unserer dezentralen Struktur eine Standardisierung unserer übergeordneten Prozesse erreichen müssen. 

Aktuell schaffen wir mit einer Modernisierung unseres Organisationsmanagements dafür die Basis. Dann werden wir in der Lage sein, schneller in die digitale Abbildung von Prozessen zu kommen. Wir arbeiten am E-Recruitment, also an der Digitalisierung von Prozessen von Stellenausschreibung und Personalgewinnung. Perspektivisch werden Projekte wie die digitale Arbeitszeiterfassung und Dienstreisemanagement angegangen.

Was macht eine Hochschule heute zu einer guten Arbeitgeberin? Gibt es hier noch Entwicklungspotenzial an der Freien Universität?

Güttner: Wir stehen schon durch die Kürzungen vor immensen Herausforderungen in Bezug auf die Arbeitslast und das Arbeitsumfeld unserer Beschäftigten. Wir können auf eine gut aufgestellte und seit vergangenem Jahr auch stärker mit den dezentralen Bereichen verzahnte Personalentwicklung zugreifen. Dennoch müssen wir neue Maßnahmen entwickeln, um auf besondere Herausforderungen reagieren zu können, beispielsweise Kommunikations- und Beratungsangebote oder interne Hospitationen für Umsetzungen. Je nach Berufsgruppe – Gärtner*in, Betriebshandwerkende, wissenschaftliche Mitarbeiter*innen, Sachbearbeiter*innen, Tierpflegende und viele mehr – können die Lösungen ganz unterschiedlich aussehen und müssen situativ angepasst werden. Wir wollen weiterhin daran arbeiten, eine familienfreundliche, diverse und inklusive Universität zu sein. Hierfür haben wir eine Arbeitsgruppe eingerichtet, die die Auswirkungen der Kürzungen auf unsere Beschäftigten mitbegleiten soll. Hinzu kommt ein Projekt zur Personalführung, das wir gerade neu aufsetzen, um für die Herausforderungen in diesem Bereich zu sensibilisieren und dort, wo immer möglich, Handlungsoptionen zu vermitteln.

Als Kanzlerin sind Sie Verwaltungschefin. Wie stellen Sie sich auch künftig den Austausch mit Forschenden und Studierenden der Freien Universität vor?

Güttner: Über die Projekte, die es nun gilt zu initiieren beziehungsweise weiterzuführen. Shared Ressources ist kein Thema, das das Präsidium am Schreibtisch löst, hier braucht es den konkreten Austausch mit unseren Forschenden. Genauso, wenn wir über Aufenthaltsflächen an der FU sprechen, dann müssen meine Teams und ich gemeinsam mit den Studierenden Lösungen entwickeln, die im Rahmen der aktuellen Situation noch möglich sind. Auf die Zusammenarbeit mit den Forschenden und Studierenden freue ich mich schon.

An einer Universität mit 35.000 Studierenden und rund 4.300 Beschäftigen ist die kontinuierliche Kommunikation eine Herausforderung. Was werden Sie tun, um die Mitglieder der Universität informiert zu halten und eine Beteiligung zu ermöglichen?

Güttner: Wir haben bereits unterschiedliche Formate entwickelt, um die Mitglieder der FU zu erreichen. So haben wir als Informationstool bereits mit Webex-Veranstaltungen gute Erfahrungen gemacht. Zum Thema Haushaltskürzungen konnten wir auf diese Weise viele unserer Beschäftigten erreichen und uns mit ihnen direkt austauschen. Zudem informiere ich in Gremien, festen Terminen und Gesprächskreisen in den unterschiedlichen Konstellationen auch die gewählten Vertreter*innen und Interessengruppen. Wichtig ist die Qualität der Informationen. Wir können nicht gut im Diskussionsprozess zu bestimmten Themen informieren, wenn die Ergebnisse nicht gesichert sind. Aber wir tun weiterhin unser Bestes.

Zum Abschluss: Wenn Sie in die Zukunft schauen – wo soll die Freie Universität in zehn Jahren stehen? Was wünschen Sie sich für die Hochschule?

Güttner: Ich wünsche mir eine voll ausfinanzierte Hochschule. Ich will, dass wir die Möglichkeit haben, die unglaublichen Potenziale, die wir an der FU haben, weiterzuentwickeln. Ich wünsche mir die Rahmenbedingungen, um die Digitalisierung vorantreiben und die Infrastruktur, um auch in Bezug auf KI mithalten zu können. Ich wünsche mir eine FU, deren Mitglieder weiterhin divers, diskussionsfreudig und konfliktfähig sind und auch in schwierigen Zeiten zusammenhalten.

Vielen Dank für das Gespräch!

Die Fragen stellte Kerrin Zielke.

Weitere Informationen

Das Amt der*des Kanzler*in
Das Wahlverfahren für das Amt der*des Kanzler*in ist gesetzlich geregelt. Der erweiterte Akademische Senat wählte Andrea Güttner auf Vorschlag des Präsidenten, der darüber Einvernehmen mit dem Kuratorium hergestellt hatte. Andrea Güttner muss noch durch den Senat von Berlin zur Kanzlerin der Freien Universität Berlin bestellt werden. Die Amtszeit beginnt im Juli 2026.

Zur Person
Andrea Güttner, Jahrgang 1971, verfügt über langjährige Erfahrung in der Hochschulverwaltung und im Wissenschaftsmanagement. Nach Stationen an der Universität Gießen und Phasen der Selbstständigkeit als Beraterin und Projektleiterin zu hochschulspezifischen Themen arbeitete sie beim CHE als Seniorconsultant und war spezialisiert auf Projekte in den Bereichen Organisationsentwicklung, Finanzen, Anreizmodelle, Gender und Diversity sowie Gleichstellung. Bereits vor der diesjährigen Wahl war sie mit der Wahrnehmung der Aufgaben der Kanzlerin beauftragt und führte vollumfänglich die Geschäfte der Kanzlerin seit 2022. Zuvor leitete sie zwischen 2013 und 2022 die Verwaltung des Fachbereichs Politik- und Sozialwissenschaften sowie mehrerer Zentralinstitute der Freien Universität Berlin. Güttner hat an der Universität zu Köln und der Freien Universität Berlin Lateinamerikanistik, Politikwissenschaft und Volkswirtschaft studiert.