Anpacken for Future
Das FUturist-Programm fördert neue Ideen für die Freie Universität: nachhaltig, problembasiert und lösungsorientiert. campus.leben stellt die Teams dahinter vor.
27.02.2026
FUturist*innen 2026: (v.l.n.r.) Diana Merten, Nina Goretzko, Sandra Schönwandt, Anna Schnepper, Tobias Schober, Kirsten Drenkhahn, Fabian Kieser, Rasmus Kunstmann
Bildquelle: Marion Kuka
Grau, kalt und regnerisch ist es an diesem frühen Februartag auf dem Platz vor der Holzlaube. Blühende Landschaften zeigt das Gruppenfoto der neuen FUturist-Teams noch nicht, aber der Geist von Aufbruch, Anpacken, Verändern ist deutlich in den Gesprächen zu spüren.
Grün und bunt soll es etwa bald auf den beiden Terrassen der Campusbibliothek in der Holzlaube werden – das planen Sandra Schönwandt, Tobias Schober und Diana Merten. Sie arbeiten in der Bibliothek und träumen schon seit 2022 davon, die Räume unter freiem Himmel schöner zu gestalten. „Im Moment sind die Terrassen trostlos, und kaum jemand geht da raus“, sagt Sandra Schönwandt. In einer Umfrage wünschten sich die Nutzenden jedoch, in Pausen frische Luft zu schnappen und bei schönem Wetter dort zu lernen.
Grüne Bibliotheksterrasse
Mithilfe der FUturist-Förderung möchte das Team diese Orte begrünen und dabei soziale mit ökologischer Nachhaltigkeit verbinden. „Wir werden gefährdete Pflanzenarten anzüchten und sie in Kübeln auspflanzen“, erklärt Tobias Schober. Auch Bienen, Schmetterlinge und Vögel sollen davon profitieren. Mitten in der Pflanzenpracht werden Sitzgelegenheiten und Lernorte entstehen.
Zukunftsbild Bibliotheksterrasse
Bildquelle: Design vom Team Campusbibliothek - KI-gestützt mit ChatGPT-Image (22.01.2026)
„Es ist ein Mitmachprojekt“, betont Diane Merten. Die Studierenden dürfen mitanpacken – bei der Planung, Umsetzungund vor allem bei der Pflege. Aus der Bibliothek der Dinge sollen sie Boxen mit Werkzeug und Handschuhen zum Gärtnern ausleihen können, so der Plan. „Außerdem wollen wir ein ABV-Modul zum Gärtnern und Begrünen anbieten, um gemeinsam einen tollen Ort zu schaffen“, ergänzt sie.
Die Stabsstelle Nachhaltigkeit und Energie sucht jedes Jahr im Rahmen der FUturist-Ausschreibung Projekte, die soziale und ökologische Veränderungen an der Freien Universität voranbringen. Aus 10 Bewerbungen hat die Jury im Januar fünf Teams ausgewählt. Die Teams erhalten für dieses Jahr bis zu 5.000 Euro sowie Unterstützung durch die Stabsstelle in der Verwirklichung ihrer Ideen .Die Ausschreibung fand bereits zum fünften Mal statt, in dieser Form wahrscheinlich das letzte Mal. In den vergangenen Runden entstanden unter anderem ein Nistkasten für Turmfalken mit Webcam für Live-Übertragung, ein neuer Mini-Wald auf dem Campus, das Mitmachlabor Apfelwiese, das Netzwerk*Igeltunnel und der Podcast Zukunftslaube.
Rattengiftfreie Universität
Im Gespräch nebenan geht es auch um Biodiversität – aber unter ganz anderen Vorzeichen. „Überall in der Stadt sieht man giftige Rattenköder herumliegen – auch auf dem Campus“, sagt Kirsten Drenkhahn, Professorin am Fachbereich Rechtswissenschaften. Klar, niemand möchte Ratten im Haus, Garten oder Park begegnen, sie hinterlassen Exkremente und können Krankheiten übertragen. Um sie zu bekämpfen, werden Rattengifte eingesetzt, die jedoch auch ins Nahrungsnetz gelangen, sich in Organismen anreichern und andere Tierarten gefährden. In Berlin sind zum Beispiel Haussperlinge betroffen, die vergiftetes Getreide fressen, das eigentlich für Ratten bestimmt war. Ziel des FUturist-Teams: ein nachhaltiges, giftfreies Rattenmanagement zu entwickeln.
Die Jura-Professorin ist im Team, weil auch das Recht dabei eine Rolle spielt: „Für Giftköder gibt es gesetzliche Vorschriften, denn sie sind gefährlich“, sagt Kirsten Drenkhahn. Man unterscheide zwischen bedarfsabhängiger Beköderung auf Zeit, wenn bereits Ratten in einem Gebiet gesehen wurden, und bedarfsunabhängiger Beköderung als Vorbeugung. Letztere werde aufgrund von EU-Vorschriften ab Juli 2026 verboten. Was dann?
Es muss auch anders gehen, davon ist Biologiestudent Rasmus Kunstmann überzeugt. Ratten-Hotspots systematisch erfassen, Expert*innen zusammenbringen und die Anwohner*innen umfassend informieren, das sind nur einige Ideen eines umfassenden Präventions- und Management-Konzepts, das die Futurist*innen zunächst auf dem Campus erproben und später weitertragen möchten.
Die Zukunft ist jetzt – Reallabore für ein diversitätssensibles und nachhaltiges Lehramtsstudium
Nina Goretzko und Anna Schnepper wollen mit ihrem FUturist-Projekt Lehramtsstudierende für Bildungsungerechtigkeiten sensibilisieren. Die wissenschaftlichen Mitarbeiterinnen am Arbeitsbereich Politikdidaktik und Politische Bildung der Freien Universität arbeiten dafür mit dem Neuköllner Verein related e.V. zusammen. Der Verein setzt sich unter anderem gegen die Stigmatisierung sogenannter „Brennpunktschulen“ ein. Nina Goretzko hat selbst schon als Lehrerin an einer Neuköllner Schule gearbeitet. Ihr liegt am Herzen, dass Studierende schon in der ersten Phase ihrer Ausbildung Einblick in die Praxis bekommen. „Dazu wollen wir sie in einem Workshop mit erfahrenen Lehrkräften und Schüler*innen aus Neukölln zusammenbringen“, sagt sie. Das Ziel: in geschützter Atmosphäre offen über Emotionen, Sorgen und schöne Erlebnisse zu sprechen. Schon jetzt denkt sie darüber nach, wie sich das Projekt verstetigen lässt, wenn das FUturist-Jahr vorbei ist. „Vor allem müssen sich aber Studierendengruppen finden, die mitmachen wollen“, sagt sie.
Minecraft Campus
Victoria Mummelthei, wissenschaftliche Koordination des Masterstudiengangs Interdisciplinary Studies of the Middle East, hat sich das fünfte FUturist-Projekt ausgedacht: Mit allen, die Spaß daran haben, möchte sie den Campus der Freien Universität im Sandbox-Computerspiel Minecraft nachbauen – als „Spielraum für Imagination“. Studierende, Lehrende, Forschende, Mitarbeitende aus Bibliotheken, Verwaltungen, Technischen Abteilungen – wer immer Lust hat, kann mitbauen. Wo sollen Bäume stehen, die Schatten werfen? Wie sähe ein Fahrradweg aus, auf dem man tatsächlich fahren will? Wo fehlen Orte, an denen man sich zufällig begegnet, ohne Termin, ohne Agenda? „Manche Ideen werden unrealistisch sein“, schreibt sie in ihrer Projektskizze. „Sie zeigen jedoch, was wir vermissen und woran wir nicht gedacht haben, solange wir nur über das sprechen, was machbar scheint.“
Wie man ein solches Projekt plant, präsentiert und bis Jahresende sichtbare Ergebnisse erzielt, lernen die FUturist*innen in begleitenden Workshops. In der ersten Phase überlegen sie, wen und was sie für die Umsetzung brauchen. Am 22. September 2026 stellen sie ihre Projekte im Rahmen einer internationalen Konferenz vor, auch um Anknüpfungspunkte für ihre Transferprozesse zu finden und neue Unterstützer*innen für ihre Vorhaben zu gewinnen.Redaktioneller Hinweis: Nach Erscheinen dieses Artikels wurden Details angepasst (2.3.2026).




