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„Sucht euch eure Nische!“

Auf dem Berufsperspektiventag „HEUREKA!“ erhielten Studierende der Geistes-, Kultur- und Sozialwissenschaften Tipps und Einblicke, wie es nach dem Studium weitergehen kann

02.12.2025

Der Berufsperspektiventag „HEUREKA“ bietet ein buntes Programm aus Panels, Workshops und Infoständen.

Der Berufsperspektiventag „HEUREKA“ bietet ein buntes Programm aus Panels, Workshops und Infoständen.
Bildquelle: Simone Ebert

Emilia studiert Deutsch-Französische Literatur- und Kulturstudien an der Freien Universität Berlin und der Université Sorbonne Nouvelle in Paris und kann sich gut vorstellen, später im Ausland zu arbeiten – vielleicht innerhalb der EU oder für das Auswärtige Amt. Die Bachelorstudentin hat sich für den „HEUREKA!“ Berufsperspektiventag angemeldet und ist damit eine von rund 600 Studierenden, die das Informationsangebot für Studierende der Geistes-, Kultur- und Sozialwissenschaften genutzt haben.

Weil sich viele Studierende gerade dieser Fächer fragen, welche Möglichkeiten es nach dem Abschluss gibt und wie der Berufseinstieg klappt, organisieren die Fachbereiche Philosophie und Geisteswissenschaften, Politik- und Sozialwissenschaften sowie Geschichts- und Kulturwissenschaften immer im Wintersemester den „HEUREKA!“ Berufsperspektiventag, in diesem Jahr fand er am 14. November statt.

In sechs verschiedenen Panels stellten insgesamt 18 Referent*innen aus den Berufsfeldern Film und Fernsehen, Projektentwicklung, Kulturbetrieb, Journalismus, Literatur- und Verlagswesen sowie Öffentlicher Dienst und Politikbetrieb ihren Arbeitsalltag vor.

Emilia hat sich für das Panel zum Öffentlichen Dienst und Politikbetrieb entschieden. Als einer der Referent*innen ist passenderweise Robert Henneberg angekündigt. Nach seinem Master in Sprachwissenschaften an der Freien Universität Berlin hat er die Ausbildung für den höheren Dienst abgeschlossen. Jetzt arbeitet er als Länderreferent für Ruanda, Burundi und die Demokratische Republik Kongo im Auswärtigen Amt. Den Studierenden empfiehlt er: „Sucht euch eure Nische.“ Seine Nische sei Irisch gewesen, eine Sprache, die nur wenige Menschen in Deutschland beherrschten. Durch seine Irisch-Kenntnisse sei er damals als Sprachlehrer im Auswärtigen Amt gelandet.

Auf dem Panel zum Öffentlichen Dienst und Politikbetrieb sprach Arion Ahrens mit Robert Henneberg, Christopher Haarbeck und Isabel Küppers (v.l.n.r) über ihren Arbeitsalltag und ihren Berufseinstieg.

Auf dem Panel zum Öffentlichen Dienst und Politikbetrieb sprach Arion Ahrens mit Robert Henneberg, Christopher Haarbeck und Isabel Küppers (v.l.n.r) über ihren Arbeitsalltag und ihren Berufseinstieg.
Bildquelle: Kara Mikus

Isabel Küppers, die neben Robert Henneberg auf dem Panel im Hörsaal 1b sitzt, sagt: Sprachen, ehrenamtliches Engagement, Praktika, Zertifikatslehrgänge, als studentische Hilfskraft zu arbeiten – all diese Kompetenzen und Erfahrungen könnten helfen, um aus der Vielzahl von Bewerber*innen herauszustechen.

Isabel Küppers ist wissenschaftliche Mitarbeiterin bei der Bundesstiftung Gleichstellung und zusätzlich selbstständig in Projekten der internationalen Entwicklungszusammenarbeit tätig. Sie rät den Studierenden, nicht alles auf eine Karte zu setzen, sondern mehrere Optionen in Betracht zu ziehen: „Meine erste Stelle nach dem Studium war nicht mein Traumjob, aber durch Zufall habe ich dann ein Traineeprogramm entdeckt, und bei der Bewerbung dort konnte ich mit meiner Berufserfahrung punkten.“ Trainee- oder Nachwuchsförderungsprogramme seien generell ein guter Einstieg ins Berufsleben, gibt Isabel Küppers den Studierenden mit.

Am Ende des Panels stellen die Zuhörer*innen Fragen. Emilia möchte wissen, wie sich Robert Henneberg auf das Auswahlverfahren beim Auswärtigen Amt vorbereitet hat. Am Abend sitzt die Studentin noch in einem Workshop: Aman Singh, Junior Manager für Employer Branding und Talent Attraction bei Bertelsmann, berichtet darüber, wie Geisteswissenschaftler*innen ins Management wechseln können.

Lebenslauf-Check und Top-Tipps der Karriereberaterin

Zwischen den verschiedenen Programmpunkten konnten „HEUREKA!“-Besucher*innen auf einem Infomarkt mit Mitarbeiter*innen der support.points – psychologischen Unterstützungsangeboten auf dem FU-Campus –, des Career Service, des Italienzentrums oder der Erasmus+-Praktikum-Büros, über die sich Auslandsaufenthalte im Studium organisieren lassen, ins Gespräch kommen. Und die neue EU-Hochschulbotschafterin an der Freien Universität Berlin, Alina Chekanova, informierte über Berufseinstiegschancen in den Institutionen der Europäischen Union. Außerdem berichteten in einem Online-Gespräch Alumni der Freien Universität über ihre internationalen Karrierewege.

Ganz praktisch ging es beim Lebenslauf-Check des Career Service zu. Interessierte konnten ihre Bewerbungsunterlagen prüfen lassen. Die Top-Tipps der Karriereberaterin Nicole Torjus vom Career Service sind: Ein Foto in der Bewerbung ist möglich, aber nicht mehr erforderlich. Angaben wie Geburtsdatum, Familienstand und die Religionszugehörigkeit sollten im modernen Lebenslauf weggelassen werden. Das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz verbiete nämlich, dass Arbeitgebende nach diesen Informationen im Bewerbungsverfahren entscheiden. Nicole Torjus, die an der Freien Universität in Psychologie promoviert wurde, empfahl den Studierenden außerdem, den Lebenslauf ähnlich wie das Anschreiben auf die jeweilige Stellenausschreibung anzupassen und konkrete fachliche und methodische Kenntnisse für jede Station im Lebenslauf aufzuführen.

Neben Infoveranstaltungen wie „HEUREKA!“ will Emilia ihr Studium weiterhin nutzen, um als studentische Hilfskraft und Praktikantin in unterschiedliche Berufsfelder reinzuschnuppern. Ganz genau weiß sie noch nicht, wo sie später arbeiten möchte. „Nach dem Bachelor will ich erst einmal einen Master anschließen, am liebsten einen internationalen“, sagt Emilia.

Weitere Informationen

Der Berufsperspektiventag „HEUREKA!“ findet jedes Wintersemester statt, voraussichtlich auch im kommenden Jahr. Das Programm und die Anmeldeinformationen werden vorab auf der Webseite veröffentlicht.